Wie die Meta­phern real werden und der Selbst­sa­bo­teur die Welt­bühne erobert

Etwas ist anders. Die Art und Weise, wie über Poli­tik gespro­chen, befun­den und geur­teilt wird, ergibt keinen Sinn mehr.

Hab‘ ich gerne gelesen. Über den Begriff der Idiotie und darüber, dass uns politkulturelle Vorraussetzungen abhanden gekommen sind, von denen wir garnicht wussten, dass wir sie mitbrachten.

Platon schreibt in den Nomoi, dass das Sonder­in­ter­esse „den Staat zerreißt“. Eine Gesell­schaft von Privat­leu­ten ist unmög­lich, weil es keine Vermitt­lung aller Einzel­in­ter­es­sen geben kann und der poli­ti­sche Logos nicht die handelnde Vernunft umfasst. Das antike Wort für das Subjekt dieser Unmög­lich­keit war idio­tes. Der idio­tes bezeich­nete nicht nur die „Privat­per­son“, sondern vor allem jeman­den, der den Unter­schied von privat und öffent­lich sabo­tierte.

geschichte-der-gegenwart.ch | Die Renais­sance des Idio­ten. Wie die Meta­phern real werden und der Selbst­sa­bo­teur die Welt­bühne erobert.

 

U-Medienschau #3 (Archivfilmästhetik)

Die Musikvideos des Hamburgers hinter dem Namen Weekend Wolves (kurz: WKND WLVS) sind so einzigartig wie die Musik dazu. Sie verströmen eine mir völlig rätselhafte, gleichermaßen unheimliche wie melancholische Stimmung. Wem diese veraltete Filmästhetik so gar nicht zusagt, dem kann ich nur raten diese U-Medienschau jetzt abzubrechen und nächste Woche wiederzukommen. Die anderen schließen jetzt bitte die alten Röhrenfernseher an.

Weekend Wolves – Venus

https://www.youtube.com/watch?v=5K-ptkGZewc

Ich persönlich warte immer noch darauf, diese Musik mal richtig laut in einer überfüllten, betäubungsmittelgesetzlosen Halle hören zu dürfen.

Midnight

https://www.youtube.com/watch?v=6TWN4AK0SNk

Leave

https://www.youtube.com/watch?v=LRk5vu2AxJE

Sagte ich einzigartig? Entschuldigt bitte meine rhetorische Verklärung der Sache. Wir befinden uns im Jahr 2017, natürlich war die Idee nicht neu. Irgendjemand nahm einen Track von Boards of Canada, der – wohl nicht zufällig – stilistisch verwandt mit WKND WLVS sein könnte, und schnitt ihn über altes gemeinfreies Videomaterial. Man kann hier lange darüber grübeln, ob das nun eine kalkulierte Arbeitsvermeidungsmaßnahme war oder Ausdruck des Wunsches, irgendwas für YouTube zu haben, aber auf mich wirkt diese Art der Gestaltung – dann frage ich nicht mehr nach Distinktion durch Geld- und Zeitaufwand oder gar Hirnschmalz, sondern genieße.

Boards of Canada – Music is Math

https://www.youtube.com/watch?v=F7bKe_Zgk4o

Laurent Garnier ft. LBS Crew – Jacques in the Box

https://www.youtube.com/watch?v=G8ie-4s9-wA

Nun zu etwas anderem: Urlaubserinnerungen eines Roadtrips durch Indien. Weiß immer noch nicht so ganz, wie ich den Song finde. Whatever:

Delicate Steve – Redeemer

https://www.youtube.com/watch?v=_49BpLHc2xg

The subject is: Jazz! Dexter’s Tapes zeugen von richtig gutem DJ-Handwerk, doch die Musikvideos fesseln noch mal besonders. Wer weiter oben was von Production Value zu grummeln hatte, wird hiermit sicher was anfangen können.

Dexter – The Future / Sounds Great Les

https://www.youtube.com/watch?v=lYBR1drJau0

Und fast hätte ich eine Liste mit Archivfootage-Musikvideos ohne Elektroswing hinbekommen. Stellvertretend für ein Genre, dessen vermeintlich einziger Zweck die Wiederaneignung von Stilelementen der 1920er/30er Jahre zu sein scheint, hier der Genre-Opa Parov Stelar.

Parov Stelar – Chambermaid Swing

https://www.youtube.com/watch?v=QN4tPpJngyM

 Die letzte U-Medienschau (#2) findet sich hier.
Die nächste U-Medienschau kommt so um den 15. herum. Ach übrigens, seit dem Umzug in einen neuen Webspace sollte die Seite auch deutlich schneller laden. Es war ein mittlerer Krampf, aber jetzt dürften die vielen Videos den Aufbau der ganzen Seite nicht mehr aufhalten können.

Wenn ich wetten müsste

CDU/CSU 35%
SPD 19,5%
AfD 13%
LINKE 9,5%
FDP 9,5%
Grüne 7,5%
Sonstige 6%

Hohe Wahlbeteiligung.

U-Medienschau #2 (Kreismusik Edition)

Die letzte U-Medienschau mit der #1 findet sich hier.

Heute gehts nicht um Musikvideos, sondern einen ganzen Haufen interessanter Künstler, die unter einem besonderen Label zusammenfanden, das mich nun schon fast 10 Jahre musikalisch begleitet.

Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi –
Die Tentakel von Delphi

Thumbnail bunt, Name komisch, Anmutung Hipster, benachbarte Videos sind ganz normaler langweiliger deutscher Rap – Das muss man doch mal anklicken. So bin ich damals auf Käptn Peng & die Tentakel von Delphi gestoßen.

https://www.youtube.com/watch?v=UbQ33IiJRCc

Käptn Peng – werbistich

war eine ziemliche Offenbarung. 2009 war wirklich ein besonderes Jahr.

https://www.youtube.com/watch?v=MpOVJWi6ul8

Pavlidis feat. Lemur & Käptn Peng – Identitetris

Ich habe nach wie vor keine Ahnung, wer Pavlidis ist, aber Lemur war die Stimme von Herr von Grau und Käptn Peng kennt man mittlerweile gleichermaßen wegen seines „alten Lebens“ in der Schauspielerei und schauspielernder Eltern wie wegen seines innovativen Raps – und seines Labels Kreismusik, das in kurzer Zeit einige extrem interessante Musiker ausgraben konnte wie Pavlidis,

https://www.youtube.com/watch?v=ncmThyPJgwE

Wælder (aus der letzten U-Medienschau) oder auch folgende Band:

Vögel  Die Erde Essen – Radioaktivität

https://www.youtube.com/watch?v=CmEQ4Gb-foA

Zugabe? Sockosophie

Die nächste U-Medienschau kommt hoffentlich schon nächsten Sonntag, den 01. Oktober 2017.

U-Medienschau #1

Ich liebe Musikvideos. Mein YouTube-Account, der um die 30 Playlists zählt, enthält auch eine Playlist, die ich eigens für gute  Musikvideos („fast nur die sehenswerten“) erstellt habe. Aber ich halte mich auch für jemanden, dessen Musikgeschmack schon etwas um die Welt gekommen ist, und der für viele Dinge offen ist, solange sie frisch sind oder zumindest etwas besser machen als die Vorgänger. Aber auch wenn meine Zeit als jugendlich-ignoranter Subkultur-Purist vorbei ist, heißt das nicht, dass ich zum Radiohörer verkommen wäre. Jedenfalls glaube ich, dass wir alle was davon hätten, würde ich meine Entdeckungen hier auch mal präsentieren.

Das werde ich nun regelmäßig tun.

Vitalic – Poison Lips (inoffizielles Musikvideo)

Dance like nobody is watching. Da könnte ich den ganzen Tag zuschauen.

https://youtu.be/LqOJq0HeZMc

OXIA – Domino rework (offizielles Musikvideo)

Und bei der Gelegenheit habe ich doch glatt bemerkt, dass es jetzt doch ein Musikvideo zu Oxia – Domino gibt. Scheinbar hat man sich nach 10 Jahren doch mal zu einem Musikvideo angehalten gefühlt. Scheinbar zeitloser Club-Klassiker, den ich hier mal ungesehen empfehle.

https://www.youtube.com/watch?v=CGBJVlY_yAY

 Wælder – Kwer (offizielles Musikvideo)

Das Berliner Label Kreismusik sollte man auf dem Schirm haben. Aber nur wer verträumte, abstraktere elektronische Musik zu schätzen weiß, wird wohl mit Wælder etwas anfangen können. Ich habe jedenfalls meine Freude daran sofort gefunden. Dazu sind die Musikvideos aus der Mitte des Kreises häufig äußerst kreative Lehrstücke in Budget-Musikvideos:

https://www.youtube.com/watch?v=0WHUDaFKdnw

Die nächste U-Medienschau ist schon geschrieben und ist für Sonntag (24. Sep 2017 16:06) geplant. Sie wird hier zu finden sein.

Disintermediation

Within economics, this transition to direct selling — of cutting out sales reps like Joyce in lieu of websites like DHgate.com — is known as disintermediation, and it’s one of the defining characteristics of the internet age. Companies like Uber, Amazon and Priceline have succeeded by disintermediating enormous industries (taxi dispatchers, brick-and-mortar retailers, travel agents). The logic of disintermediation seems self-evident: By putting factories directly in contact with stores, by helping customers order directly from manufacturers, by letting riders coordinate with drivers, you cut out a needless source of waste and inefficiency. Middlemen (and middlewomen), so this theory goes, have simply been gobbling a slice of the pie they never really deserved.“ [1]

Was für ein unfassbar praktisches Wort, dieses „Disintermediation“. Scheiße, ist das praktisch.

Ach, Quelle dieses Zitats ist übrigens ein Artikel über Fidget Spin… NEIN Bitte gebt ihm die Chance, wenn ihr gerade 1529 Wörter Zeit habt:

The Rise of the Fidget Spinner and the Fall of the Well-Managed Fad
(NY Times 20.08.2017)

Waagenrede, die:

Ausdruck einer verbreiteten Neigung, auf so wahrgenommene Bias in der öffentlichen Diskussion eines – häufig politischen – Themas mit der Einnahme der vermeintlich unterliegenden Positionen zu reagieren, die die redende Person auch erklärtermaßen selbst für falsch oder sogar gefährlich halten kann.  Politische Überzeugungen, aber auch Mitleid werden dabei häufig als Motive genannt. Der Bezug zu Waagen liegt in der häufig als Rechtfertigung herangezogenen Metapher von einem gewünschten Gegengewicht.

Vgl. 1. advocatus diaboli 2. Parteilichkeit 3. Diskursgewalt 4. Man wird doch wohl noch mal sagen dürfen